Samstag, 7. Februar 2009

Hörkunstfestival Erlangen - 10. Januar 2009

Auf den Auftritt beim Erlanger Hörkunstfestival freute ich mich genauso wie ich angespannt war: Mit sechs neuen Stücken bzw. Live-Premieren auf die Bühne zu gehen, damit hatte ich mich dann doch leicht unter Druck gesetzt. Bis wenige Tage vor Erlangen bin ich krank und kann kaum üben und besser nur hoffen, dass ich bis zum Auftritt wieder gesund bin.

Der Plan geht auf: Als ich nach Erlangen aufbreche, bin ich gesundheitlich wieder auf dem Damm, stehen die neuen Stücke zumindest im Kopf und die wenigen Proben waren möglichst unperfekt.



Ich glaube, man kann sagen, Erlangen ist eine Mischung aus Landshut und Erlangen. Leider verpasse ich den Empfang am Freitagabend, aber immerhin reicht es noch, bei der Eröffnungsparty kurz vorbeizuschauen. Im fürstlichen Hotel gibt es zusätzliche Dinkelkissen.

Am nächsten Tag gibt es mittags im Festivalbüro als Catering liebevoll selbstgemachtes Risotto mit Cola und Hanuta. Das Verhältnis von Festivalveranstaltern und Künstlern beim Erlanger Hörkunstfestival gemahnt an das mitteralterliche Lehnswesen. Es gibt keinen Wunsch, der einem nicht erfüllt wird. Einmal erwähne ich in einem Nebensatz, dass ich vor dem Auftritt noch kurz einen Kaffee trinken wolle, schon rennt jemand los, durch den Schnee in den anderen Gebäudekomplex um mir von dort einen Kaffee zum Soundcheck zubringen. Oft kommt auch ein Festivalhelfer und fragt, ob man denn bei irgendetwas noch der Hilfe bedürfe, man sagt nein und sieht dann, wie in dem Helfer innerlich etwas zerbricht und er traurig von dannen zieht.

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Der Auftritt ist um 15 Uhr, ab 12 Uhr bin ich im „Theater Garage“ zum Aufbau und Soundcheck. Bei meiner Ankunft stehen dort gerade die Jungs von Kraftkammer, die einen Tag später hier auftreten werden und freuen sich jetzt schon auf ihren Auftritt, indem sie freudig erfüllt auf der Bühne herumstehen. Ein völlig sympathischer Dreier, leider bekomme ich ihren Auftritt am Sonntag nicht mehr mit. Weiter unten aber, zum Ende des Texts, ein kurzer Clip mit Ausschnitten aus ihrem Auftritt.

Als ich von der Bühne gehe, bin ich nicht allzufrieden mit dem Auftritt. Die vielen neuen Stücke mit ihren aufwändigen Technikeinstellungen kosteten viel meiner Konzentration. So viel neue Stücke auf einmal habe ich noch nie auf einer Bühne präsentiert.

Hier (click) kann man lesen, was später die Erlanger Nachrichten über den Auftritt schreiben werden.

"Sehen und Aushalten" - live @ Hörkunstfestival Erlangen, 10.01.2009:


Auf der Bühne erlaube ich mir, die faszinierende Unterschrift von Erlangens Bürgermeister Dr. Siegfried Balleis anzusprechen (hier (click) zu sehen, erstes Grußwort, unten rechts) und ein Sample vorzuspielen, dass seine Kalligrafie akustisch widerspiegelt:

Sound of Balleis:



Gleich dem Auftritt interviewt das Camousradio Unimax einen vom Auftritt noch völlig hochgeputschten Martin Schmidt. Der Mitschnitt sollte demnächst in diesem Blog eingestellt sein. >>>Hier clicken<<<

Stefan Framke vom Radio ist so nett und hilft mir mein Equipment zurück ins Hotel tragen. Nach dem Auftritt, dem Interview und dem Bühnenabbau holt mich hier dann die Erschöpfung ein: Anderthalb Stunden liege ich auf dem Bett und schlafe, den Auftritt von Pirx verpasse ich dadurch leider. Nach dem Aufwachen höre ich mir den Live-Mitschnitt vom Auftritt auf dem Minidisc-Recorder an. Hatte ich auf der Bühne noch das Gefühl, das die Sache nicht ganz so gut gelaufen sei, klingt der Mitschnitt ganz passabel. Wie so oft ist genau das Stück dann der Favorit, dem man am wenigsten Beachtung schenkte und sich dadurch am am wenigsten verkrampfte: My Heart Is In The Highlands – ein Zwitter aus Yield und Martin Schmidt, die Vertonung des gleichnamigen Gedichts des schottischen Dichters Robert Burns.

Ich bin entzückt, als ich in meinem Englisch in der Aufnahme einen leichten schwäbischen Akzent feststelle. Gerade das ist aus vielfachem Grund nicht schlimm. Ich verrate normalerweise nicht viel in meinem Blog über Hintergrund oder Bedeutung von Stücken, aber bei „My Heart Is In The Highlands“ war die Idee, oder zumindest eine mögliche Lesart davon, mein Heimweh nach der bergigen Landschaft der Ostalb (wo ich geboren und aufgewachsen bin) einen Ausdruck finden zu lassen.


Irgendeine Kraftquelle lässt mich mich nochmals aus dem Hotelzimmer schleppen und im Festivalbüro vorbeischauen. Als der Auftritt von Ohrpilot angekündigt wird, lasse ich mich einfach vom Strom der Leute mitreißen. Und es lohnt sich. Der gelungene Auftritt von Ohrpilot gibt mir sogar nochmal einen Energieschub, mit ein paar Menschen einen Plausch zu halten. Bei der Gelegenheit – wie, weiß ich nicht mehr – lerne ich Andy und Bini von MAO kennen, die am nächsten Tag im E-Werk auftreten werden, und man fachsimpelt noch nett über Industrial und tauscht Band-Tipps aus.

Leider kann ich mir am Sonntag nichts mehr vom Festival anschauen, ich muss zügig zurück nach Augsburg, wo es am bürgerlichen Arbeitsplatz den halben freigenommenen Tag vom Freitag nachzuarbeiten gilt. Beim Frühstück noch ein kleiner Plausch mit Kai Niggmann von Ohrpilot. Zu meinem Vergnügen fragt mich die Auszubildende an der Hotelrezeption beim Auschecken, ob ich „Herr Yield“ sei - die Teilnehmer des Festivals wurden nämlich unter ihren Projektnamen gebucht.

Vielen Dank an: Sara Al Zaheiri, Anna Bohn, Till Berger, Friederike Meindl, Luisa Gerlitz, Christina Röfer, Martje Friedrich, Kraftkammer, Kai Niggmann, Andy, Bini und der netten Hotelangestellten-Azubi, der ich aus Versehen meinen Notenständer an die Nase geschlagen habe.

P.S.: Wer übrigens einmal richtig unfreundlich bedient werden will, der tanke in der Tankstelle in Weichenried.

Kraftkammer live @ HKF Erlangen 2009:<


Videoclip courtesy by Kraftkammer

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Weihnachtspäcken für Jaromir

Jaromir bekommt ein Weihnachtspäckchen aus Gaildorf. Nach Anfangsschwierigkeiten beim Auspacken:
Drin ist etwas, das beim Kullern laut klickert und einem blinden Kater ziemlich gut gefällt. Attacke!




Danke, Götz und Monika, Ida, Matthias & Babette!

Samstag, 13. Dezember 2008

Some kind of Retreat: Working. Thinking. Walking. And walking. Walking through icy winter's woods.

11. Dezember - 13. Dezember 2008










Strange. Seltsam.

„,He pissed me off,‘ we may say. The actual fact is that some action took place in the past that wasn’t to your liking at some specific time. What arose in response to that action were your long- developed habits of feeling aversion to that kind of action. A ‚you‘ appeared because of what happened. ‚He pissed me off‘ isn’t what happened.
What you should say is, ‚being pissed off caused me to exist.‘ ‚you‘ didn’t exist until there was something for ‚you‘ to exist in relationship to, and in this case that something is something to be angry about. ‚You‘ are the reaction called ‚being pissed of.‘ ‚You‘ is that sustained stream of thoughts that reinforces anger, that sees itself as being the same entity wo which ‚he‘ did something in the past.
It is a memory being played over and over like an old school dance-beat on a DJ’s tape loop, working hard at sustaining itself, knowing that the moment it stops repeating itself ‚you‘ will cease to exist. ‚I’m angry‘ is wrong. ‚Right now I am anger,‘ is closer to the truth of the matter.


Aus: Brad Warner: „Hardcore Zen“, Wisdom Publications Boston




Waited.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Sonntag, 23. November 2008

JAMC Interview

"Was that a question?" - Jim und William Reid im Interview in Südamerika

Dienstag, 18. November 2008

Myrtatugo



Myrtatugo - neues Stück, wird veröffentlicht auf "Das Zweite Bein".

Featuring Zlatko Ozvaldic.

Dämonenaustreibung:

Sonntag, 2. November 2008

Yield zusammen mit DEEP und BUG live @ Zürich, Kalki Squat 01.11.2008




Mit einem vollbeladenen Auto geht’s zusammen mit Bernd und Zonk von Deep nach Zürich: Auftritt in der Kalkbreite, einem besetzten Haus. Das Auto ist so voll geladen, dass ich neben einer Deep-Box gerade noch 45 cm Platz zum mitreinsitzen finde, auf mir drauf nochmal ein Rucksack mit Kabeln. Eine scharfe Rechtskurve, und ich würde von einer Lautsprecherbox von Deep zerdrückt – ein würdiger Abgang!

Bei Geplauder über taoistische Dämonenbeschwörung und idealen Marathonstrecken in und um Landsberg geht es Richtung Schweiz, dazu gibt’s Erdnusskekse von Bernds Freundin Christina. Christina hat mir bereits beim Echokammer-Abend die Woche zuvor eigens, da diese Rezeptur tragendes Element ein vorangegangenen Gesprächs war, ein Erdnussbutter-Brötchen mit Holundergelee mitgebracht – ungemein lecker!

Auf der Hinfahrt gibt es nette Städtenamen kennenzulernen: Uzwil und Flawil, die gleich als potentielle Katzennamen notiert werden. In gerade Mal dreieinhalb Stunden sind wir in Zürich und schlagen im Kalki-Squat auf. Herzliche Begrüßung vom lieben Pille Weibel, der uns Traubenkuchen und veganes Abendessen mit Kichererbsen, Sojahack und Nudeln und Salat bereitet hat.

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Das Kalki befindet sich direkt neben den Züricher Straßenbahnbetrieben. Den Strom knappst man sich gut fünf Jahren von einem Laternenmasten ab. Auch herzliches Wiedersehen mit Andreas und Christian von BUG, die eine Woche vorher bereits in Augsburg bei der Echokammer spielten. Mit Andreas tausche ich bei einem netten Gespräch noch Lebensgeschichte, biografische Abgründe und Weltprobleme aus und Christian versucht sich mit einem Klangrohr an der mitten vor der Bühne an Ketten hängenden Kinderschaukel: einmal dagegengeschlagen und Christian erntet einen mächtigen Maschinenöl-Klacks von oben – hier, gutgeschmiert an einem Stahlrohr hängen die Schaukelketten - auf seinem Pulli: „Ich bau‘ die Schaukel lieber doch nicht ins Set ein.“

Bug bauen ihre Instrumente vor der Bühne auf und spielen im Publikum.Andreas‘ Orgel ist wie ein Tiger, und dessen Fell sich Feedbackmuskeln spannen, und per Mischpult lässt er die aufgestaute Klangstränge explodieren, Christian trommelt mal manisch, mal groovy seinen Voodoozauber drüber.

Deep und ich machen einen Übergang von meinem Set zu ihrem. Leider wird Bernd feststellen, dass Deeps Minidisc-Recorder sich nach drei Sekunden ausschaltete, so dass es leider weder eine Dokumentation dieser Deep/Yield-Koop noch vom gelungenen Deep-Set gibt. Ein kleiner Drone-Gottesdienst aus Augsburger Licht, für immer im Land der nichtaufgenommenen Live-Sets verloren. Noch weiß das allerdings niemand und jeder ist guter Dinge. Der Minidisc-Mitschnitt an meinem Mischpult fängt bei dem Übergang Yield/Deep nur meine Stimme ein - dazu in den Pausen, Äonen entfernt, ganz leise über mein Bühnenmikro mitaufgenommen ein Deepsches Surren. Diese Stellen isoliert, die Lautstärke um gut 30 Dezibel erhöht, geloopt und abgemischt sind in einen Remix-Track eingeflossen, dessen vorläufige Demoskizze derzeit so anhört (never mind the clicks):

Deep & Yield: Kalki Distance (Demo - Live Dub Remix)



Beim Soundcheck habe ich große Probleme. Bei manchem kostet es ziemlich Zeit, herauszufinden, woran’s hängt: Bei meiner Loopstation habe sich beim Transport die Knöpfe umgestellt, so dass Takte und Synchro-Funktionen nicht mehr funktionieren. Ein einziges Audiochaos. Im ungefüllten Auftrittsraum ists kalt wie in einer Tiefkühlhalle, Soundcheck in Pulli und Lederjacke, an der Bar steht eine Bedienung mit eskimoartiger Kapuze. Tonfrau Rebi treibe zudem dadurch in den Irrsinn, als dass ich zum einen bereits aufgenommene Feedbackspuren benutze, zum anderen unerwünschte aber auch bewußt gesetzte Rückkopplungen loope, sie also ständig, auch nach vermeintlicher Fehlerbehebung, da sind.

Weil manches, vieles, nicht wie gewünscht funktioniert, fallen die improvisierten Klangstücke kurz aus. Später, während des Auftritts noch, sehe ich, dass die Effekte aus Versehen auf „stumm“ geschaltet sind. Statt eines dronigen Grand-Canyon-Halls liegt ein kleines Heuschreckenstimmchen über der Premiere des eigentlich so stimmungsvollen und gleichzeitig noisigen „My Heart Is In The Highlands“, einer Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Schottlands Nationaldichter Robert Burns (1759 - 1796). Immerhin, auf der Aufnahme hört man zumindest, dass das Stück ausschließlich - zum Leidwesen von Mischerin Rebi - auf Rückkopplungsspuren aufgebaut ist:

Yield - My Heart is in the Highlands (Live & vocals rotten):



Der Einstieg ins Set gemahnt fast an Boyd Rice. Zonk von Deep wird aufgrund der Feedbacks nachher fragen, ob ich nicht lieber in Playback auftreten sollte. Der Auftritt in Zürich ist ein gewagtes Experiment: 30 Minuten Klang und Noise im Wechsel mit rhythmischem Spoken Word. Dementsprechend gefordert ist das Publikum, aber auch ich. Als ich die Bühne verlasse, denke ich: Das war jetzt ganz schön mutig.

Yield: "Prayer for C. Wearing" - live @ Zürich, 01.11.2008:




Am Abend gibt es noch ein sehr empfehlenswertes Bier: Appenzeller Naturperle. Nach kurzer Nacht folgt ein Frühstück mit selbstgemachtem Brotaufstrich aus Kicherbsen, Kidneybohnen und Knoblauch. Die Rückfahrtversüßt uns der SWR4 mit einem Kontrastprogramm aus Paola, schwäbischem Jazz und Bernd Stelters Hit „Männer über 50“.

Vielen Dank an Pille für die Einladung, an Tonfrau Rebi, an Andreas inklusive gerade werdender Familie und Christian, und an Bernd und Zonk dafür, dass sie es ermöglichten, dass ich während der Autofahrten wie gewohnt punkt 16 Uhr meinen Kaffee trinken konnte.

Das Dreifachbild zuoberst stammt von der Seite von Dhyana Records, wo man auch noch einen weiteren Bericht des Abends lesen kann.